Thailand im Wandel der Zeit

Wer zu den Menschen gehört, die schon seit geraumer Zeit den asiatischen Kontinent und speziell auch Thailand bereisen, wird bestimmt schon festgestellt haben, wie viel sich in den letzten Jahren dort verändert hat. Speziell die bis vor einigen Jahren noch überschaubaren Urlaubsziele wie Koh Samui, Phuket oder Pattaya haben einen nicht unerheblichen Teil ihres einstigen Charmes einbüßen müssen. Große Hotelburgen prägen das Bild der einst so idyllischen Landschaft und man spürt deutlich den nicht immer positiven Einfluss der westlichen Kultur. Wo früher nette kleine Garküchen ihre Speisen anboten machen sich heute amerikanische Großkonzerne wie Mc Donalds, Pizza Company oder Starbucks breit und verdrängen die meist machtlosen kleineren Restaurants. Zunehmend mehr Thais passen sich den westlichen Essgewohnheiten an und essen fettiges Fast Food statt der gesunden einheimischen Küche, die durch die Frische ihrer Zutaten und die geschmackliche Vielfalt weltberühmt geworden ist.

Fast Food Ketten in Thailand auf dem Vormarsch

Gerade in der Metropole Bangkok gilt es mittlerweile als Privileg, in den Fast Food Restaurants zu speisen,- auch wenn es gar nicht wirklich schmeckt. Zu bemerken ist dies auch an der körperlichen Erscheinung vieler Bangkoker, die dank der "neuen Ernährung" zu einem nicht unerheblichen Teil an Fettleibigkeit leiden. Selbst die buddhistischen Mönche, die morgendlich ihre Almosenrunde begehen, sind davor nicht behütet. Wo früher Früchte und Gemüse als Spende gegeben wurden, landen heute Süßigkeiten und andere Dickmacher in den Geschenkkörben, so das zuletzt sogar der thailändische Gesundheitsminister die Bevölkerung aufgerufen hat doch bitte weniger Süßigkeiten und Fast Food zu spenden, da rund 30% der Mönche bereits stark übergewichtig seien.


Der kulturelle Wandel macht sich bemerkbar

Mönche im "Apple-Store"
Der kulturelle Wandel Thailands macht sich aber nicht nur an der Beleibtheit der Menschen bemerkbar. Die letzten Jahre haben verstärkt Touristen und Neureiche aus den Ostblockstaaten wie der Ukraine oder Russland das Land für sich entdeckt und fangen an, im Land zu investieren, um dann auch ein Stück vom großen Kuchen der Tourismusindustrie ab zu bekommen. In dem unweit von Bangkok gelegenen Ferienort Pattaya beispielsweise findet man mittlerweile alles, was der russische Landsmann aus seiner Heimat auch in den Ferien nicht vermissen möchte. So gibt es russische Lokale, die ihre Speisekarte ausschließlich nur in russischer Sprache führen, russische Bars, Hotels und Resorts, die sich auf die zahlungskräftigen Russen spezialisiert haben, sowie Striptease,- und Tabledance-Clubs, in denen russische Mädchen ihren Körper zur Schau stellen. Des Weiteren gibt es russische Reisebüros, Tourenveranstalter und Fremdenführer. Der Chef der Tourismusbehörde ließ bei einer Kundgebung verlauten, die Bediensteten in der Tourismusbranche mögen doch bitte russische Sprachkurse besuchen, um den zahlungskräftigen Russen ihre Aufenthalte noch angenehmer zu gestalten.

Sitten unter westlichem Einfluss

Thailand, das einst so friedliche Land im Herzen Südostasiens, hat mit diesem Einfluss anderer Kulturen sehr zu schaffen. So nehmen immer mehr Thais auch die Gewohnheiten der allgegenwärtigen Ausländer an, die es gewohnt sind, in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten auszutauschen oder sich lautstark zu äußern. Noch vor einigen Jahren waren dies Dinge, die in der thailändischen Gesellschaft ein absolutes Tabu darstellten und kein Thai hätte sich getraut, in der Öffentlichkeit auch nur Hand in Hand mit seiner Freundin zu laufen. Das sieht heute anders aus, speziell an den Orten wo sich der Tourismus breit gemacht hat und die alten Sitten und Gebräuche zunehmend in Vergessenheit geraten. Diese Dinge gehören heute zu den Hauptstreitpunkten zwischen den verschiedenen Generationen in der thailändischen Bevölkerung. Die meisten jungen Thais finden diese neue Freiheit toll, während die älteren Generationen diese Verwandlung mit Argwohn betrachten .

von Max Würger